Freitag, 9. Januar 2009

Résumé


Ich hab die Überschrift als allererstes hingeschrieben. Weil ich mir genau überlegt habe, was das hier werden soll. Und damit es auch am Ende nichts anderes wird, weil ich vielleicht an bequemere Sachen gedacht hab.
Es ist aus.
So einfach ist das. Ich habe uns getrennt.
Eigentlich ist jetzt - in diesem Augenblick - ein schlechter Zeitpunkt um schreiben zu wollen, weil ich diese, wie auch schon die letzte Nacht, durchmachen werde um eine dringende Arbeit zu erledigen. Aber manchmal kommts eben anders, als man denkt.
Zwischen ihm und mir ist alles ganz anders gekommen. Vor allem in letzter Zeit.
In meinem Optmismus oder meiner unerfahrenen Naivität hab ich wirklich geglaubt, dass das mit uns und der Wohnung klappt. Zweifel gabs da keine.

Jetzt steh ich vor diesem riesen Scherbenhaufen, und ich kann nicht fassen, wie sich so ein kleines bisschen Zeit so destruktiv hat verwenden lassen.

Wir nähern uns mit jedem Tag dem beispiellosen Total-Kontaktabbruch. Das, was nie einer von uns wollte und auf das doch alles hinausläuft.

Jetzt werfen wir drei einhalb Jahre Lebens- und Liebeserfahrung erstmal auf unseren eigenen Gefühlsmüllhaufen.
Wie schade, denn wir wollten unsere Beziehung immer als Beispielhaft führen, vor allem vor unserem eigenen Urteil und egal in welchem Stadium. Das haben wir auch oft ausgesprochen und uns immer wieder daran erinnert.

Wir waren immer das perfekte Paar. Für uns selber am meisten.
Kommunikation war unser kleines riesengroßes Geheimnis, mit dem wir eins der Zauberrezept für eine gute Beziehung gefunden hatten.

Ich erinnere mich daran, dass wir viele Nächte lang wachgelegen haben und uns alle Dinge dieser Welt zu sagen hatten.

Wir waren uns immer ebenbürtig und das geht mit Unendlichem Vertrauen und großem Respekt voreinander einher.
Auch ein paar kleine Geheimnisse.
Aber wir mussten lernen, damit umzugehen. Vor allem das Thema Eifersucht war großgeschrieben. Er war gezeichnet von seiner vorherigen Beziehung, ich dagegen konnte den Begriff mit Nichts aus meinen Erfahrungen assoziieren, fand es ein absurdes, völlig unberechtigt existierendes Gefühl. Er war krankhaft, ich völlig jenseits. Wir beide übertrieben es und haben uns am Ende doch gegenseitig kuriert.
Ich aber hasse das Gefühl, und noch viel mehr kann ich nicht damit umgehen. Aber ich sehe ein, dass es eine grundlegende Emotion ist (wenn man das so sagen darf) und glaube, sie irgendwann mal im Griff zu haben.

Außerdem mussten wir lernen, uns 'zukunftsmäßig' auf Augenhöhe wahrzunehmen.
Fiel es mir am Anfang schwer, zu akzeptieren, dass mancher nicht unbedingt studieren möchte oder auf anderem Weg zum Ziel kommt, genauso musste er mit einer weltfremden und träumenden angehenden Studentin umzugehen lernen.

Ich denke, dass wir diese Ebenbürtigkeit erst vor sehr kurzer Zeit erlangt hatten.

Und diese Dinge alle sind es - unsere Kommunikation, das Vertrauen und der Respekt -, die uns in dem kurzen halben Jahr alle durch die Finger geflutscht sind. Sei es zudem noch die Rücksicht aufeinander oder was auch immer sonst noch, dass wir verloren haben.

Ich erkenne mich so oft selbst nicht wieder und kann vieles, das ich sage, tue und denke nur schwer nachvollziehen.

Ich schien mit einem Mal völlig abgestumpft zu sein.

Bei mir hat sich vieles verändert in Bezug auf meine Gefühle für ihn.
Ich bin ein Mensch, der seinem Bauch folgt und der mit aller Macht glücklich sein will.
Ich bin ein Perfektionist.
Ich flüchte schnell, wenn ich merke, dass mein Herz nicht voll hinter mir steht.
Und genau das versteckt sich grad.
Ich hab ein Verlangen nach Freiheit, geichzeitig nach Nähe.
Ich will Abenteuer und Risiken, und auch Sicherheit.

*

Es blieb mir doch keine andere Wahl, als 'Uns' zu beenden - jetzt wo wir noch jung sind.
Ob wir es irgendwann wieder finden, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass wenn es das sein sollte, was mich irgendwann wieder glücklich macht, komme ich hierher zurück.

Es macht mich verrückt, wenn ich mir vorstelle, wie groß die nicht verheilenden Wunden sind, ich bei ihm hinterlasse, bei dem, der immer hinter mir stand und mich auf Händen trug.

Mit dem ich die unglaublichsten Gefühls-Erfahrungen in meinem Leben teilen durfte.

Kann sich das einer vorstellen, wie scheiße sich das anfühlt?
Und wie ungerecht sich obendrauf die bescheuerte Eifersuch macht?
Die, die ich verfluche, weil sie nicht da sein soll.
Einer der Gründe, warum ich meinen Optimismus verloren hab und den Gefühlsmüllhaufen und die Flucht einer aufrichtigen Konfrontation mit den Dingen vorziege.

Ich habe eben seine Skype-History spioniert, weil es da dieses Mädchen gibt, der er schon seit mehreren Monaten jeden verfügbaren Tag schreibt und mit der er tolle Gespräche führt.
(Um seine Haut hier zu retten, sind wir auch seit dem nicht mehr so ganz offiziell zusammen.)
Warum ich das mit der Spioniererei gemacht habe, weiß ich nicht. Wahrscheinlich weil sich der Mensch gern selber emotionalen Schaden zufügt. Und wahrscheinlich mach ich ihn soger selber irgendwo drinnen in meinem Kopf dafür verantwortlich. Schwarzen Peter immer schön weit weg von sich suchen.
Ich hatte schonmal irgendwo berichtet, dass wir beide verschiedene Vorstellungen davon haben, wie wir mit zukkünftigen Bekanntschaften umgehen. Dass er sein verficktes Skype immer offen hat, wenn ich reinkomm und fleißig weiterkommuniziert, während ich das als zutief verletzend empfinde und der Meinung bin, dass wir solche Dinge einfach von uns fern halten, nix erzählen, keine Fenster öffnen, wenn der andere da ist, etc. weil ich es für wichtiger erachtet habe, dass wir erstmal wieder auf normaler Ebene vernünftig reden können (was seit einiger Zeit nicht mehr der Fall ist).
Das Mädchen hört sich nett an,leider kann ich sie bei Studi nicht finden, sodass ich nichts Schlechtes über sie zu berichten habe.
Aber ich habe genug doofe Dinge über ihn auszupacken.
Zuerst sprich er über mich grundsätzlich, als wäre ich nicht ganz ernst zu nehmen oder wäre irgendwie ein Blödchen. Fühlt sich scheiße an, wenn er einer Tussi schreibt, dass ihn seine Ex nervt und dööfere Sachen.
Er schickt ihr ein Bild in schwarz weiß.
'Chrissi Gitarre black'n white' kommt also bei ihr an.
Das ist mein Bild, was ich von ihm geschossen, so benannt und bearbeitet habe. In unserer schönsten Zeit. Das sind meine Erinnerungen.
Sie fragt, ob er Gitarre spielt. Er sagt ja, Balladen am liebsten.
Es ist meine Gitarre, in meinem Zimmer, und er kann außer dem Nothing-else-matters-Anfangsgeklimper, was ich ihm beigebracht habe, überhaupt nichts auf irgendeiner Gitarre spielen.
Er erzählt ihr von meinen Büchern, die er natürlich toll findet und die sie unbedingt lesen sollte und von meinen Lieblingsfilmen.
Ich bin schrecklich eifersüchtig.

Ich hab noch nicht losgelassen. Ständig frage ich mich, was eigentlich mit mir los ist.
Er sagt, ich ginge gegen meine Gefühle an.
Aber denen genau folge ich doch auch. Ich weiß nur, dass ich nicht gleichzeitig frei, aufs Äußerste unabhängig und doch in der Geborgenheit einer Beziehung sein kann.
Und dass ich weiß, dass wenn ich mir meine Freiheit jetzt nicht nehme, ich nicht glücklich werde.

Es hat sich ja auch viel an meinem Wahrnehen seiner Person geändert.

Ich habe plötzlich gemerkt, dass ich nicht mehr bereit war, auf ihn Rücksicht zu nehmen. Im ganz Alltäglichen hat sich das bemerkbar gemacht. Ich stand nicht mehr bedingungslos hinter ihm. Und ich hab nicht mehr gemerkt, wenn es ihm schlecht ging, sondern war viel mehr auf mich und meine Sorgen fixiert.
Das hat mir Angst gemacht, denn dann ist es nicht richtig, in einer Beziehung zu sein.
Das sind die falschen Voraussetzungen.

Trotzdem sind meine Gefühle für ihn unaufhörlich stark - auf irgendeine Weise - auch wenn das für ihn schier unbegreiflich ist (was ich wiederum auch nachvollziehen kann. Wenn du mich lieb hast, warum sind wir dann nicht auch zusammen?)
Er bringt mich zum Lachen und ich liebe seine Liebe zu spüren.
Er hat mich auf Händen getragen und ist für uns beide stark, wenn ich es nicht bin.
Er passt auf mich auf, wenn ich es brauche.
Und diese Zeile steht für die noch so vielen tollen Dinge an ihm.
Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, wenn es ihm gut geht und er sich wohl fühlt.
Er zeigt so unglaublich viel Verständnins und lebt mit meinem ausgeprägten Egoismus.
Ich liebe seinen Sinn für Familie und wenn wir zusammen nächtelang Playstation spielen.
Ich bewundere seine innere Stärke bin stolz darauf, dass wir uns so sehr gegeseitig geprägt haben.

Und ich will nicht teilen.

Aber ich gehe. Denn ich will ja frei sein.
mn
h
h
(Nachtrag: Die dringende Arbeit ganz vom Anfang habe ich zähneknirschend auf den allerletzten Drücker beendet.)

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